Die Historie des Speichers!

Ein Speicher für die Ewigkeit
Das Hotel Speicher am Ziegelsee am „alten Hafen“, heute ein vier Sterne Hotel mit Auszeichnung, war bis in die frühen neunziger Jahre ein Getreidespeicher mit eben solcher Nutzung. Im Jahre 1939 als Reichstypensilo für die Ewigkeit von einer Kaufmannsgesellschaft gebaut. Während der Schreckensherrschaft des Dritten Reiches wurden die jüdischen Kommanditisten, die Familie Löwenthal enteignet. Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg und mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik wurde der Speicher in Volkseigentum umgewandelt. Nach dem Fall der Mauer und vollzogener Wiedervereinigung konnten die Erben der ehemaligen Besitzer ihr Eigentum zurück erlangen. Im Jahre 1995 wurde er an eine Hamburger Architektengemeinschaft veräußert und sollte binnen 12 Monaten in ein Hotel und Boardinghouse umgebaut werden.

Bauzeit und Beton

Das vorhandene Gebäude des 6000t fassenden Getreidespeichers ist als massive Stahlbetonkonstruktion erstellt worden, die von einer Außenhülle aus Mauerziegeln umgeben ist.

Von der ersten Planungsphase an wurde Wert darauf gelegt, dass der ursprüngliche Charakter des unter Denkmalschutz stehenden Speichers erhalten bleibt.   

Zwei Drittel des Speichers bestand aus Stahlbeton-Silo-Zellen, welche sich vom Untergeschoss bis zur 7 Etage erschreckten. Die wabenförmig verbundenen Stahlbetonsilos stellten eine große Herausforderung an die Planer und die ausführenden Firmen. In diesem Bereich musste mit umfangreichen Abbruchmaßnahmen gerechnet werden. Fachfirmen schätzen die Abbruchdauer auf 12 Wochen. 

Der Abbruch der Silozellen, die den gesamten südlichen Teil des Gebäudes einnahmen, waren angesichts der zum Teil über 1m starken Betonwände, im wörtlichen Sinne ein hartes Stück Arbeit. Unterschätzt hatte man den Baustil des 3. Reiches und die damit verbundene Betongüte und die Menge an eingebauten Stahl. Tatsächlich benötigte man 14 Monate um den Abbruch durchzuführen. Dabei war auch der parallele Einbau eines Stahlgerüstes im Innern des Gebäudes von Bedeutung, der den Zusammenfall der Gebäudehülle verhindern sollte. Stahlbauer und Abbruchunternehmer mussten gleichzeitig und abhängig voneinander tätig werden. Die Stahlkonstruktion ließ im südlichem Gebäudeteil ein „Haus im Haus“-Prinzip entstehen, welches 1996 mit dem Stahlinnovationspreis ausgezeichnet wurde.

 

Denkmalschutz und See
Der Speicher steht, als Industriebauwerk, unter Denkmalschutz. Dieser Umstand beeinflusste den Bauablauf im Hinblick auf Material- und Farbauswahl an der äußeren Gebäudehülle.  Vergegenwärtigt man sich die Höhe des Wasserspiegels des Ziegelsees, so wird schnell deutlich, dass der Speicher mit seiner an die 1,50m starken Betonsohle „im Wasser“ steht. Eine Kasematte umschließt das Untergeschoss wie eine wasserundurchlässige Wanne. Durch die massiven Setzungen und Gewichtsveränderungen im Laufe der Zeit, wurde diese Wanne jedoch beschädigt. Eindringendes drückendes Wasser erschwerte die Baumaßnahmen im Untergeschoss und noch heute ist ein Teil des Untergeschosses unausgebaut.

Innenausbau

Nach Beendigung der Abbrucharbeiten und Fertigstellung der tragenden Stahlskelettkonstruktion wurde das Gebäude in 12 Monaten komplett fertig gestellt. Ziel der konzeptionellen Überlegungen für den Ausbau des Gebäudes war es, dass sich die Individualität und Einzigartigkeit des Gebäudes in den Hotelzimmern und den öffentlichen Bereichen widerspiegelt. So finden sich in den Zimmern des Nordteils die alten Stahlbeton-Pilzkopfstützen sichtbar als tragendes Architekturdetail wieder. Die strenge Fensterausteilung und die tragenden Stützen gaben die innere Aufteilung der Gästezimmer vor. So entstanden die unterschiedlichen Zimmergrundrisse, in denen auch mal eine Wand für eine Fensteröffnung „verspringen“ musste. 

Bei dem gesamten Innenausbau wurde ebenfalls Wert darauf gelegt, überwiegend natürliche Materialien zu verwenden. 95 % der Zimmerausstattung, wie Lampen, Tische und Betten wurden im Hinblick auf einen schlichten, dem Haus angemessenen Stil eigens hergestellt.

Die alten Holzfenster wurden liebevoll restauriert und die abgebrochenen handgeformten Ziegel wurden für die Fensterstürze und den Barbereich  wieder verwendet.

Der Einsatz vom brünierten Eisen in vielen Details soll die Geschichte des Industriebauwerkes heute ein wenig vergegenwärtigen.

Der Speicher und sein Umfeld 
Der erste Eindruck trügt! Empfindet man die Anfahrt noch als Zumutung, erlebt man beim Ankommen eine einzigartige Ruhe direkt am See. Bei offenem Fenster ausschlafen, wer kann Ihnen das in Schwerin bieten?

Der Wunsch der Stadt Schwerin ist es, dass ehemalige Industriegebiet „alter Hafen“ zu einem neuen Wohngebiet zu entwickeln. Seit 1997 läuft ein Umlegungsverfahren im Hinblick auf die Neuordnung der Grundstücks- und Flächenzuordnungen. 

Zur Eröffnung des Hotels im August 1998 war die Speicherstrasse noch eine „Sandpiste“ und das Hotel war unmittelbar umgeben mit alten Fabrikhallen. Im Monat Oktober 1999 wurde begonnen die ehemalige Fensterfabrik in der Speicherstrasse abzureißen, die zweite Verbindungsstrasse zur Güstrowerstrasse sollte noch im Jahre 1999 fertig gestellt werden.

Auf den endgültigen Ausbau der Speicherstrasse mit der Verbindung zur Güstrower Strasse durften die Eigentümer des Hotels aber bis 2004 warten. Bis dahin musste die gesamte Ver- und Entsorgung des Hotels durch die Eigeninitiative der Eigentümer sichergestellt werden. Noch heute ist eigens für das Hotel ein Fernwärmecontainer provisorisch auf dem Grundstück aufgestellt.

Stammgäste, die seit Anbeginn des Hotels zu uns kommen, können hiervon noch berichten, welche Industriewüste das Hotel umgab. 

Für das Gedeihen des Hotels würde man sich wünschen, die Stadt Schwerin würde die schon vor Jahren geplante – und eigentlich von allen Beteiligten gewünschte – Uferpromenade entlang des Ziegelinnensees realisieren, um den „alten Hafen„ wieder stärker an das Herz der Stadt anzubinden. Aber noch heute trennen die abbruchreifen Lagerhallen der ehemaligen Brauerei an der Lagerstrasse den Hafen von der Stadt.

 Aufgestellt  Schwerin, 2006

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